13.09.2020

Prävention von Radikalisierung und demokratiefeindlichem Extremismus: Aktuell (180)

  • Aktuelles aus dem Deutschen Bundestag:
    • Rechtsextremistische Musikveranstaltungen
      (hib/STO) Im zweiten Quartal 2020 haben in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung fünf rechtsextremistische Liederabende mit insgesamt 205 Besuchern stattgefunden. Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/21629) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (19/21427) zugleich ausführt, fanden aufgrund der durch die Covid 19-Pandemie bedingten Veranstaltungsuntersagungen und Hygieneschutzauflagen erst zum Ende des zweiten Quartals wieder kleinere rechtsextremistische Musikveranstaltungen statt. Angekündigte Veranstaltungen seien ganz überwiegend abgesagt und zum Teil auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden.

    • Rechtsextreme Veranstaltungen 
      (hib/STO) Im zweiten Quartal dieses Jahres ist es bundesweit zu mehr als 35 von Rechtsextremisten durchgeführten oder dominierten Kundgebungen mit in der Regel "überregionaler und/oder nennenswerter Teilnehmermobilisierung" gekommen, die der Bundesregierung bekannt geworden sind. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (19/21630) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (19/21428) hervor. Die angegebenen Teilnehmerzahlen schwanken zwischen 20 und 300. Weiterhin registrierten die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder den Angaben zufolge im genannten Zeitraum 18 Kundgebungen "gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands, bei denen eine (rechts-)extremistische Einflussnahme/Steuerung in unterschiedlicher Ausprägung erkennbar war".

    • Straftaten gegen Asylbewerber
      (hib/STO) Bei Straftaten gegen Asylbewerber sind im zweiten Quartal dieses Jahres laut Bundesregierung 38 Menschen verletzt worden, darunter ein Kind. Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/21647) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (19/21435) berichtet, lagen ihr mit Stand vom 6. August vorläufigen Zahlen zufolge Erkenntnisse zu 236 politisch motivierten Delikten im Zeitraum von Anfang April bis Ende Juni 2020 vor, "die sich gegen Asylbewerber/Flüchtlinge außerhalb von Asylunterkünften" richteten. Davon entfielen 215 Straftaten auf die politisch rechts motivierte Kriminalität. Zudem lagen der Bundesregierung den Angaben zufolge Erkenntnisse zu insgesamt 15 politisch motivierten Delikten im zweiten Quartal 2020 vor, bei denen eine Flüchtlingsunterkunft Tatort oder direktes Angriffsziel war. 14 Delikte zählten laut Antwort zu politisch rechts motivierten Straftaten. Ferner verfügte die Bundesregierung über Erkenntnisse zu neun politisch motivierten Delikten im genannten Zeitraum, die sich "gegen Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche/freiwillige Helfer" richteten, wie aus der Vorlage weiter hervorgeht. Danach entfielen sechs dieser Delikte auf die politisch rechts motivierte Kriminalität.

    • Rechtsextremistische Musikveranstaltungen
      (hib/PK) Die Verfassungsschutzbehörden haben 2018 insgesamt 270 rechtsextremistische Musikveranstaltungen registriert. Darunter waren 60 Konzerte, 95 Liederabende und 115 sonstige Veranstaltungen mit Musik, wie aus der Antwort (19/21828) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (19/21533) der Linksfraktion hervorgeht. 2019 zählten die Verfassungsschutzbehörden 311 rechtsextremistische Musikveranstaltungen, 64 Konzerte, 133 Liederabende und 114 sonstige Musikveranstaltungen.

  • Amadeu Antonio Stiftung formuliert Empfehlungen an den Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus
    Die Amadeu Antonio Stiftung hat Empfehlungen an den Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus formuliert, der in seiner zweiten Sitzung am 02.09.2020 Migrantenorganisationen sowie Organisationen der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft angehört hat. 

  • Religion und islamistischer Extremismus
    Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) informiert: "Welche Rolle spielt Religion, wenn sich junge Menschen zum islamistischen Extremismus bekennen? Neue Forschungsergebnisse liegen vor: Wie pädagogische Fachkräfte in der Präventions- und Distanzierungsarbeit mit dem Phänomen Religion umgehen, analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem Sammelband „Religion in der pädagogischen Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus“, herausgegeben von Joachim Langner, Maruta Herding, Sally Hohnstein und Björn Milbradt. Sie und weitere Autorinnen und Autoren des Bandes interviewten pädagogische Fachkräfte, untersuchten deren Vorgehensweisen und Erfahrungen, rekonstruierten die Handlungslogiken der Beratungsangebote und reflektierten fachliche Vorannahmen. Außerdem befragten sie junge Menschen nach persönlichen Erlebnissen bei ihrer Hinwendung zum islamistischen Extremismus. Die Forschungsergebnisse der „Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention“ und der Programmevaluation „Demokratie Leben!“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) sowie anderer Forschungseinrichtungen bieten Leserinnen und Lesern aus Wissenschaft, pädagogischer Fachpraxis und Politik umfangreiche Hinweise darüber, welche Rolle Religion in Hinwendungs- und Radikalisierungsprozessen spielt. Viele islamistisch Radikalisierte kommen nicht aus religiösen Elternhäusern und sind nur eingeschränkt dazu in der Lage, religiöse Zusammenhänge einordnen zu können. Insgesamt legen die Forschungsbefunde nahe, dass Religion eher als verstärkender denn als ursächlicher Faktor zu werten ist. Nicht selten kann die Hinwendung aber religiöse Antworten auf Krisenerlebnisse und Sinnsuchen bieten. Die Beschäftigung mit dem Islam kann in der Arbeit der Radikalisierungsprävention mit jungen Menschen ein zentrales Element oder lediglich eines von vielen Themen sein. Religion spielt dabei zum Beispiel in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit extremistischer Ideologie und in der Stärkung der Eigenposition der Projekt-Teilnehmenden eine Rolle. Die Gründe und Motivationen für islamistische Radikalisierung sind vielfältig, es könnte somit sinnvoll sein, die pädagogischen Antworten darauf ebenso vielfältig und individuell anzupassen."

  • Radicalisation Awareness Network (RAN)
    Update 75 on the Activities of RAN. Together against radicalisation.

Ein Service des deutschen Präventionstages.
www.praeventionstag.de


Weitere News zum Thema „PREA“